Aus: "Der Frühlingswind kam über Nacht"


(Bochumer) Schwärmerei

 

Kehr ich heim von einer Reise, spüre ich, wie du mich grüßt,
filigran erscheint dein Äuß’res, himmelhoch strebt das Gerüst.
Sauber grün strahlst du von Weitem, kamst von Dortmund zu uns her.
Im Gebäude führt der Fahlstuhl nieder in die Grubenwelt,
Kohleabbau ist Geschichte, wird dort beispielhaft erzählt.

 

Kehr ich heim von einer Reise, spüre ich Zufriedenheit,
lebe gerne hier in Bochum, stell ich fest voll Dankbarkeit.
Glückauf!

 

Trotzdem

 

Der alte Mann, der Nikolaus,
sah in Berlin nicht fröhlich aus.
Die Politik verschob sich grad,
die Rebellion blieb klein und fad.

 

Wahlversprechen tauchen unter – Hackfleischtheorie winkt munter,
endet in dem „falschen Hasen“ – Scheinmanöver lassen rasen.

 

Der Nikolaus schrieb sehr empört - an die Regierung, was ihn stört:

 

„Eure Kinder lassen hoffen, ihr jedoch macht mich betroffen.
Sehe eure Winkelzüge, sehe manche dicke Lüge.
Werde euch die Rute schenken – auch für kleinkariertes Denken.“

 

Tage danach konnte man sehn: Nichts war geschehn.

 

So ist es (Limerick)


Es kämpfte ein Mann einst in Essen,
er war vom Mandat wie besessen.
Er gewann auch die Wahl,
sein Problem wuchs fatal:
Den Wähler, den hat er vergessen.

Vergangen

 

Sommer, wo bist du geblieben?

 

Deine Wärme strahlt nicht mehr.
Deine Blumen sind verblüht.
Deine Düfte längst versprüht.
Schwalbennester bleiben leer.

 

Stürme haben dich vertrieben,
Sommerträume sind geblieben.


Eine Leseprobe aus: "Frisch aus der Feder"
Kurzgeschichten querbeet, gewürzt mit Humor


So viel Pech und (k)ein Ende

Manchmal kann eine Fahrt in die Ferien zum Abenteuer werden. In einem Wohnmobil reisen Papi Klaus, Mami Heidi, Uwe, neun, und seine Schwester Eva, sieben Jahre alt. Kurz vorm Ziel Kroatien wird es richtig hektisch.

So ruft Uwe in höchster Not: „Papi, ich muss ganz nötig pieseln! Halt bitte, bitte an!“
„Heidi, sag deinem Sohn, dass das hier in der Stadt nicht geht.“
"Komisch‘, denkt Heidi",  "immer, wenn es brenzlig wird, sind plötzlich unsere Kinder nur ‚mein Uwe', ‚meine Eva‘ oder ‚meine Blagen:' "Egal, ich sollte ihn jetzt nicht reizen.“
„Hast du gehört, Uwe? Du musst noch ein bisschen warten. Oh, seht mal, da hinten blitzt etwas Blaues, was mag das wohl sein?“, versucht sie ihn abzulenken.
„Mami, ich habe Hunger. Mir tut der Bauch richtig weh!“
„Nicht schon wieder!“, knurrt Klaus, „Heidi, gib ihr ein Brötchen!“
„Geht nicht, wir haben alles aufgegessen. Wir sind schließlich schon achtzehn Stunden unterwegs.“
„Ich hab aber trotzdem Hunger. Ich will endlich eine Pizza essen. Ihr habt sie mir versprochen!“, jault Eva weiter.
„Wie lange dauert es noch? Ich kann echt nicht mehr anhalten.“ Uwe rutscht auf dem Sitz hin und her.
„Verdammt noch mal!“, schreit Klaus auf. .„Heidi, halt deine Blagen still! Ich muss mich auf die Fahrt konzentrieren!“ Er haut mit der rechten Faust aufs Lenkrad.

Genervt schaut Heidi aufs Navi.
„Wisst ihr was?“, verkündet sie plötzlich fröhlich:  „In fünfzehn  Minuten erreichen wir unseren Campingplatz in Selce. So lange müsst ihr durchhalten, klaro?“ Dabei dreht sie sich um und sieht die Kinder mit zusammengekniffenen Augen und schmalen Lippen an.
In diesem Moment bremst Klaus scharf. Ein Passant rettet sich mit einem Satz auf den Bürgersteig.
„Idiot, hast du keine Augen im Kopf?“
Heidi schreit auf und fasst sich an ihren Nacken.
„Was ist denn mit dir los, fängst du jetzt auch an zu meutern?“ Papis Gesicht läuft rot an.
„Fahr nicht so schnell, wir sind in Kroatien.“ Eine Träne rollt Heidi über die Wange.


Etwas später tönt das Navi: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“
„Super, endlich!“, rufen alle wie aus einem Mund, bevor Papi vor einer Einfahrt anhält. Dort stehen vier Wohnmobile vor ihm. Er wartet einen Moment. Nichts bewegt sich, niemand ist zu sehen.
„Was ist da denn los, soll das eine Blockade sein?“ Verärgert öffnet Klaus die Tür.
Uwe steigt gleichzeitig mit ihm aus.
Klaus schaut sich um. „Uwe, komm, wir gehen da drüben hinter die Büsche.“
Sie verschwinden. Mami bleibt bei Eva, die gerade eingeschlafen ist.
Hinter Klaus und Uwe taucht plötzlich ein wild aussehender Mann auf, mit weißem, langem Haar und weißem Rauschebart.
Er baut sich vor den beiden auf.
„Ihr sein Deutsch?“, fragt er sie.
„Was gibt’s? Wir geben kein Geld“, braust Klaus auf.
„Ihr tun pinkeln, ist verboten. Ich machen Foto.“ Stolz hält er sein Handy hoch, auf dem Klaus und Uwe in eindeutiger Pose auf dem Display zu sehen sind.
„Kosten 20 Euro oder ich Policija rufen?  Dann kosten 40 Euro.“
„Das geht gar nicht, her damit!“ Klaus greift nach dem Smartphone.
Der Mann weicht zurück. „Nix da, du zahlen.“
„Gib ihm das Geld!“, ruft Klaus mit hochrotem Gesicht Heidi zu, was sie sofort tut.
Danach verschwindet der Mann schleunigst.

„Papi, sieh mal, der Hund pinkelt unser Auto an! Darf der das?“
Tatsächlich, ein kleiner Hund hebt gerade am Vorderreifen das Bein.
Klaus läuft auf ihn zu. „Du verdammter Köter, lässt du das wohl sein!“
Der Hund nimmt Reißaus, rast auf eine Frau zu und springt auf ihren Arm.
„Was soll das?“, ruft die Frau, „mein Hercules ist ein anständiger Hund.“
„Poch, der kleine Hund heißt Hercules“, Uwe schnappt nach Luft.
„Er hat unser Auto angepinkelt!“ Klaus zeigt empört auf das Rad.
Die Frau baut sich groß auf. „Mein Hercules tut so etwas nicht.“
Da reißt sich der Köter los, stürmt auf Klaus zu und beißt ihn ins Bein. Mit einem lauten Ratsch ist die Hose kaputt. Klaus schreit auf, wehrt sich, schlägt um sich.
Der Hund wird zur Bestie, bis ein Tritt ihn aufheulen lässt. Dann saust er, wie von Furien gehetzt, zu seinem Frauchen zurück.
Vergeblich ruft Klaus: „Halt, stehen bleiben!“
Doch da sind die beiden schon fort.

Heidi kramt ein Pflaster hervor und klebt es auf die Wunde, die leicht blutet.
„Au“, stöhnt Klaus auf, „sei vorsichtig!“
„Jetzt stell dich nicht so an. Übrigens, hast du eine Tetanusimpfung?“, fragt sie.
„Nein, warum?“
„Wegen Wundstarrkrampf. Dann müssen wir ...“
„Nichts da!“ Er dreht sich um. „Ich geh jetzt zur Rezeption. Wir können nicht ewig hier stehen bleiben.“
‚Mittagspause von 12 bis 13 Uhr‘, liest er an der Eingangstür.
Er humpelt zurück.
„So ein Mist, wir müssen noch eine halbe Stunde warten.“
Er schaut sich um. Vor und hinter ihm stehen Wohnwagen, von den Besitzern fehlt jede Spur. Er wendet sich an Heidi.
„Gib mir bitte mal Geld. Die Kinder und ich holen von drüben Pizzen. Essen können wir gleich hier.“
„Au ja!“ Uwe und Eva springen auf und klatschen in die Hände.
Heidi geht zu ihrem Sitzplatz und erstarrt. Ihre Handtaschel iegt nicht dort. Runter gefallen ist sie auch nicht.
„O-je“, stöhnt sie auf. „Meine Tasche ist weg … Mit dem Geld!“
„Das darf doch nicht wahr sein, kannst du nicht auf deine Sachen aufpassen?“
Alle suchen, aber die Tasche bleibt unauffindbar.
Klaus schimpft wie ein Rohrspatz.
Heidi schaut aus wie ein geprügelter Hund.
Eva schreit: „Ich hab Huuunger!“
„Ruhe!“, ruft Klaus und schaut jeden einzeln an. „Denkt bitte nach: Hat jemand von euch irgendetwas Auffälliges bemerkt?“
Zögernd meldet sich Eva: „Mami, eben als ich aufgewacht bin, hat mich eine Hexe mit bösem Blick durchs Fenster angeguckt. Ich wollte dich rufen, aber da hat sie erst einen Finger auf ihren Mund gelegt, und danach mit demselben Finger heftig gedroht.“
„So ein Mist! Man hat uns bestohlen! Ich fass es nicht!“,  stöhnte Klaus. „Wer weiß die Nummer der Polizei in Kroatien?“ Er holt sein Handy raus. Erleichtert spürt er dabei sein Portemonnaie in der Hosentasche.
Ein Wohnwagenbesitzer, der gerade auftaucht, kann helfen.
Die Verbindung klappt, doch Klaus hält das Handy erschrocken weit ab von sich. Fremde Worte schallen ihm entgegen, wie das Geknatter eines Maschinengewehrs.
„Sprechen Sie Deutsch?“, fährt er dazwischen.
Kleine Pause, dann hört er eine weibliche Stimme, die ihn auf Deutsch anspricht.
Langsam und deutlich berichtet Klaus von ihrem Missgeschick. Am Ende nennt er ihre Adresse.
„Sie stehen bleiben, wir gleich kommen.“

Allmählich tauchen die Besitzer der Wohnmobile auf. Die Schranke öffnet sich. Die ersten vier fahren los. Klaus bleibt stehen. Von hinten ertönt eine tiefe Stimme:
„Was ist? Wollt ihr da übernachten?“
„Wir sollen hier warten, die Polizei kommt gleich.“
Wieder ertönt die Stimme: „Das darf doch nicht wahr sein! Du versperrst uns den Weg. Fahr sofort rechts rüber, dort ist Platz genug, das sieht doch ein Blinder.“
Bevor die vier in den Wagen steigen können, sagt Eva leise: „Mami, mir wird schlecht, ich kann nicht mehr…“
Und dann liegt sieauch schon vor der Beifahrertür auf dem Boden, kreidebleich.
Sofort bemühen sich Heidi und Klaus um sie.
Plötzlich wird die Familie von einer Hand voll Menschen umringt.
Hinter ihnen ertönt eine Fistelstimme: „Soll ich dir Beine machen, du Penner?“
In diesem Moment kommt ein Polizeiauto mit Blaulicht angerast. Ein Polizist vertreibt die Gaffer, dann telefoniert er kurz entschlossen.
Die Polizistin wendet sich an Klaus.
Heidi kümmert sich um ihre Tochter.
Etwas später trifft ein Krankenwagen ein. Zwei Helfer untersuchen Eva, die langsam ihre Augen wieder öffnet.
„Mami, wo bin ich? Was wollen diese  Leute hier?“
Heidi umarmt ihr Kind. „Alles wird gut, beruhig dich.“
Irgendwie haben es die Gaffer geschafft,  wieder näher zu kommen. Gespannt  sehen sie dem Treiben zu.
„Mami, ich hab so einen Hunger. Wo bleibt denn die Pizza? Ihr habt mir doch eine versprochen.“
„Hört nur, verhungern lassen sie das Kind.“ Dann lauter: „Rabeneltern!“
Fortsetzung folgt im Buch ,,,

Am Ende noch ein persönliches Gedicht, zu finden in dem neuen Buch:
"Der Frühlingswind kam über Nacht"

 

Abschiedslied

Du, meine kleine Dichterklause,
warst 14 Jahre mein Zuhause.

Bei dir ich fand viel Harmonie,
die führte mich zur Poesie.
Gereimt hab ich munter drauflos,
doch mehr noch aus der Feder floss:
Geschichten, mit Humor gespickt,
auch Krimis, mörderisch, verzwickt
Kurzum; In deinen Räumen war,
mein Leben einfach wunderbar.

Doch dann kam die Wende,
das bittere Ende.

Ein ätzender Schimmelgestank
war plötzlich da, machte mich krank.
Hab mich gemeldet, hab gezofft,
auf rasche Abhilfe gehofft.
Heut weiß ich, warum nichts geschah,
dein Abrisstermin kommt sehr nah.
Danach entsteht hier Schritt für Schritt,
ein Neubau, der bringt mehr Profit.

Du bleibst verseucht, welch Trauerspiel,
mir bot der Liebste an Asyl.
Ich zog zu ihm nach Wattenscheid.
Dein Schicksal aber tut mir leid,
denn du, du meine Dichterklause,
warst vierzehn Jahre mein Zuhause. 
 
Entwarnung

Eins, zwei, drei, der Umzug ist vorbei.
Vorbei ist auch die Schlepperei,
das Einrichten mit Allerlei,
vorbei, vorbei, vorbei!!!


Stattdessen diese Dichterklause,
ab heute ist sie mein Zuhause.
Dem Liebsten sei, vier, fünf, sechs, sieben,
gereimt ein Dankeschön geschrieben.
(Bochum, im Herbst 2021)